Wer braucht eigentlich Wegränder?

Wegraine als Lebens- und Rückzugsraum.

Rund 1.000 Pflanzenarten und mindestens ebenso viele Tierarten können in Weg- und Feldrainen vorkommen. Beeindruckende Zahlen. Aber, kaum eine dieser Arten lebt ausschließlich in Säumen. Wegraine sind typische Rückzugsgebiete für Arten, denen es woanders genauso gut oder sogar besser gefallen würde. Die Bedeutung von Rainen wächst umso mehr, je stärker die eigentlichen Kernlebensräume im Umland verschwinden. Wiesenpflanzen retten sich auf der Flucht vor zu viel Dünger ebenso in den Wegrain wie Wildbienen oder Schmetterlinge, denen anderswo die Blüten fehlen. Feldhasen nutzen die Deckung, die ihnen bei der immer früheren Wiesenmahd und Feldernte fehlt. Insekten überwintern in abgestorbenen Pflanzenstengeln der Saumvegetation. Je mehr Leben in einem Wegrand ist, umso mehr gibt es ein Gleichgewicht zwischen den Arten, was sich auch regulierend auf die Bestände von Schädlingen in den benachbarten Nutzflächen wirkt.

Rebhuhn auf dem Rückzug

Kaum ein Charaktervogel der Feldflur ist so stark zurückgegangen wie das Rebhuhn. Das Rebhuhn braucht ein kleinflächiges Mosaik aus offenen krautreichen Flächen mit guten Versteckmöglichkeiten. Blütenreiche Feldraine sind als Brutplatz, Nahrungsquelle und Versteckmöglichkeit ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Mosaiks. Bei Gefahr drückt sich das Rebhuhn flach auf die Erde – dem Verlust an Lebensräumen kann es so leider nicht entkommen. Bis Ende der 80 Jahren begegnete ich entlang dieses Feldweg zwischen Koerich und Steinfort Regelmäßig Rebhühner mal allein auch mal mit Nachwuchs. Damals wie heute gab es dort eine Feldlandschaft ohne viel Hecken und Bäumen. Die kleineren Bewirtschafteten Parzellen waren alle mit mal klein bis großen Randstreifen versehen, breite Randstreifen auch entlang des Feldweges bestanden auch ganz jährlich und waren so ein idealer Lebensraum für das Rebhuhn. Die Parzellen sind heute grösser, der schmale Rand vom Feldweg wird mehrmals abgemäht. Solche Feldwege ohne Rain sind nicht mehr geeignet die Lebens Bedingungen für Rebhühner auch nur ansatzweise zu erfüllen.

Von der Wiese in den Wegrand - und wohin dann?

Margerite, Wiesen-Bocksbart, Heidenelke und andere Kräuter der Wiesen und Magerrasen finden heute im intensiv genutzten Wirtschaftsgrünland keinen Platz mehr. Für sie wären Wegraine wichtige Refugien. Aber auch hier werden sie durch die heute übliche Mulchmahd (= das Mähgut bleibt liegen) und den Nährstoffeintrag von angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen von Gräsern verdrängt, die von der üppigen Nährstoffzufuhr und dem Erstickungstod der Blütenpflanzen unter der Mulchschicht besonders profitieren.

 

Der Wegrain ein Zebrastreifen

Für Amphibien, Reptilien, Kleinsäuger und viele andere Lebewesen sind Wegraine wie Zebrastreifen, über die sie einigermaßen geschützt von einem Lebensraum in einen anderen gelangen können.
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