Eine neue Arbeitsstelle

Eine neue Arbeitsstelle beim Naturschutzsyndikat Sicona.

Schon bei der Planung am Projekt Naturschutzsyndikat machten wir, die Verantwortlichen der Regional Westen, sich sehr viele Gedanken über das praktische Funktionieren eines solchen kommunalen Verbundes. Neben Kostenfragen und notwendigem Maschinenpark, stellte sich eine zentrale Frage, über das Profil und Ausbildung der Arbeiter. Bei der Analyse gab es folgende Überlegungen: Es wird eine Arbeit mit sehr unterschiedlichen Arbeitsgeräten, darunter viele Spezialmaschinen. Bei dieser Naturschutzarbeit ist also viel Technik erforderlich. Es sind aber auch viele und zum Teil schwere Handarbeiten erforderlich. Für diese Naturschutzarbeiten braucht es handwerkliche Grundkenntnisse mit bestimmten Naturfachkenntnissen. Diese Arbeit findet vor allem draußen bei allen Wetterbedingungen und in meist schwierigem Gelände statt. Wir stellten fest, eine Ausbildung, ein fertiges Berufsbild für so einen Naturschutzfacharbeiter gibt es dato in Luxemburg nicht. So galt es nun die richtigen Leute zu finden, auf die diese Kriterien zutreffen könnten. Eins war klar und deutlich, neben handwerklichen und Naturschützerischen Grundkenntnissen, schien uns besonders die Beziehung zu so einer Arbeit als ein fundamental wichtiges Element. Einiges an Handwerklichem oder Naturschutzwissen lasse sich auch durch eine Weiterbildung vermitteln, meinten wir. Liebe und  Engagement zur Natur, bereit zu sein aus dieser Arbeit beim Naturschutzsyndikat eine Lebensaufgabe zu machen, auf diese Einstellung kommt es an, denn dies ist keinem zu vermitteln, davon waren wir überzeugt.

Durch viele gemeinsame Aktivitäten war zwischen Claudine, Fernand, meine Frau Liane und mir eine Freundschaft entstanden.
Privat trafen wir uns öfters mit Fernand und Claudine in Koerich oder in Buschdorf.
Bei so einem Treffen (86-87) fragte Fernand mich einmal, ob ich mir eine Arbeit bei so einem Naturschutzsyndikat vorstellen könnte 

„Ich …?   , mit einer Ausbildung als Automechaniker übte ich diesen Beruf bis dato aus, es war zwar nicht unbedingt mein Traumberuf, doch hatte ich durchaus Gefallen an diesem technischen und abwechslungsreichen Beruf gefunden.
Doch die Perspektiven als Automechaniker waren nicht großartig, dies ist unverkennbar. Lohn wie Arbeitskonditionen waren miserabel, und ich glaubte, die werden in diesem Beruf auch in Zukunft wohl nie richtig gut.
Ein neuer Job ?.. eine Arbeit draußen bei jedem Wetter unter schwierigsten Konditionen, warum eigentlich nicht ?“

Natürlich sagte mir Fernand, er könne mir keine Garantie geben ob meine Kandidatur berücksichtigt wird. Da ich über große Erfahrung und Kenntnisse in diesem Bereich verfügte, hätte ich gute Chancen und er würde sich eine Kandidatur von mir wünschen und unterstützen. Diese neue Arbeit würde ordentlich bezahlt und dies sei eine sichere Arbeitsstelle meinte Fernand Schoos, da die neuen Arbeiter beim Naturschutzsyndikat Sicona unter den Konditionen und Bedingungen des Kollektivertrags der Staatsarbeiter eingestellt würden. Um meine theoretischen Naturschutzkenntnisse zu verbessern, meldete ich mich zur Weiterbildung bei verschiedenen Naturschutzseminaren in Deutschland an. Von da an verbrachte ich den Urlaub öfters mit meiner kleinen Familie (meine Frau und zwei kleine Buben) in der Nähe  von Naturschutzentern in Deutschland.

September 89 das neue Naturschutzsyndikat Sicona gibt in der Tageszeitung ein Stellenangebot für zwei Arbeiter bekannt. Ich reiche beim Präsidenten vom Sicona, Niki Bettendorf meine Bewerbungsunterlage ein. Zuerst gab es ein Vorstellungsgespräch mit einem kleinen Test, und dann hieß es warten, bis eines Tages Fernand und Claudine mit einer Flasche Sekt vor der Tür standen mit der Botschaft, eine neue Arbeitsstelle beim Naturschutzsyndikat Sicona könnte ich am 01.01.90 antreten. So war mein letzter Tag bei meinem damaligen Arbeitgeber Garage Renault in Gasperich angebrochen

Vom Mechaniker zum Mitgestalteter bei Kollektivverträge.
Von 1980 an, arbeitete ich als Automechaniker im Garage Renault in Merl (dort wo sich heute ein lokales Polizeibüro befindet). In dieser Autowerkstadt in Merl waren etwas über 100 Leute beschäftigt. Ein gutes Arbeitsklima übertünchten, die schlechten Arbeitsbedingungen.
Die Reparaturwerkstadt bestand aus einem fensterlosen Keller, ohne Ventilation mit einem einzigen relativ kleinen Eingang für die Autos. Renault wurde zu diesem Zeitpunkt zu einer, der meist verkauftesten Automarke in Luxemburg, und so fehlte es dieser Werkstadt nie an Kundschaft. Die veralteten Einrichtungen der Werkstadt konnten dem
Ansturm an Wartung und Reparatur bedürftigen Autos nicht mehr gerecht werden, dies führte zu immer schlechteren Arbeitsbedingungen. Immer öfters hatte ich mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Als Nichtraucher mit sehr vielen sportlichen Aktivitäten, stellten die Ärzte öfters gereizte Schleimhäute in Nase und Hals bei mir fest.

Mit Kollegen wurden in den Wäldern des Eischtales viele Laufkilometer zur Förderung der Gesundheit absolviert.


Von der Arbeit zur Demonstration.


Mitte der 80 Jahre, Umweltexperte schlagen Alarm: der Saure Regen mach unsere Wälder kaputt. In den Heckscheiben der Autos sah man Aufkleber mit Aufschriften 80 /100 oder nach dem Wald stirbt der Mensch. 1984 beteilige ich mich an einer großen Demonstration, von der Oberstatt zum Europaparlament auf den Kirchberg.  Auf der Tagesordnung des hier tagenden Europaparlaments stand die Katalysatorfrage für Neuwagen zur Debatte. Ich zog einen kleinen kaputten Fichtenbaum hinter mir her und ich hatte wieder einen ziemlich dicken Kopf, der Boulevard schien mir fast zu klein. Neben mir Demostranden mit Plakaten mit Aufschriften wie :  „Vorfahrt für die Menschen“ Oder: „Wen diese Bäume vom sauren Regen sterben wie ist es mit uns und unsere Kinder bestellt.
Ja dachte ich wie ist es denn mit dir?
Morgen gehst du wieder zu deiner Arbeit, wo du acht Stunden Bedingungen ausgesetzt bist die kaum ein Baum der Welt aushalten würden. Von nun an probierte ich im Betrieb auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Im Gespräch mit Kollegen merkte ich dass dies nicht alleine meine Meinung war. Eine Verbesserung der Situation von Sicherheit und Gesundheitsbelastung im Garage Renault in Merl, war dringend erforderlich.

„Wer sich nicht wehrt lebt verkehrt“ 
Durch meine Sensibilisierungs-Arbeiten zum Thema Umwelt und Sicherheit  aufmerksam gemacht, bestimmte mich die Betriebsdelegation zum „Sicherheitsmann“.
Als erste organisierte ich zusammen mit Kollegen, eine Unterschriftsaktion. Mit über 70 Arbeitern die unterschrieben (ich glaube alle betroffenen hatten unterschrieben) war diese Aktion ein großer Erfolg. In der Gewerkschaft L.C.G.B- wo ich Mitglied war, begann ich mich zu engagieren. Regelmäßig besuchte ich verschieden Weiterbildungskurse der Ifes (Arbeiterkammer) in Remich  über Arbeitsrecht, Sicherheit, oder Umweltschutz im Betrieb, um mich mit wichtigen Informationen zu versorgen. Im Juni 1987 unterschrieb ich mit als Vertreter der Gewerkschaft den ersten Kollektivvertrag für alle Arbeitnehmer in den Garagenbetrieben von Luxemburg:
Bei den mühseligen Verhandlungen zu diesem Kollektivvertrag habe ich auch erstmals eine sehr gegensätzliche  Welt kennengelernt.  Auf der eine Seite die Gesandten der Patronen die keine auch noch so geringfügige Änderungen gut hießen.
Ich als einer der Vertreter der vielen erwartungsvollen Kollegen die bestimmte Forderungen und Wünsche hatten.

Es war für mich eine sehr mühselige frustende aber auch eine sehr lehrreiche Erfahrung. Bei den anstehenden Delegationswahlen im Herbst 87 beteiligte ich mich, und motivierte weitere Kollegen, so dass wir uns der „ Wählerschaft „  mit  einer L.C.G.B Liste präsentieren konnten. Über 70% der Stimmen für meine Kandidatur, die Kollegen hatten keine Zweifel gelassen wem sie die Verantwortung in der Betriebsdelegation zutrauten. Bis auf einen waren alle weiten Mitglieder der neuen Delegation Kollegen der L.C.G.B. Liste. Mir fiel nun die Verantwortung als Präsident dieser Betriebsdelegation zu. Eine konstruktive Delegationsarbeit mit der Belegschaft, Betriebsführung und Gewerbeinspektion führte dazu, dass Mitte 1989 durch die Inbetriebnahmen eines neuen modernen Garagenbetriebs in einer Gewerbezone in Gasperich die Arbeitsbedingungen bei Garage Renault eine wesentliche Verbesserung erfuhren.

Trotz der oft schwierigen Arbeitsbedingungen behielt ich Garage Renault wegen eines angenehmen Arbeitsklima in bester Erinnerung.


Hier eini Bild vom Herbst 1989 zusammen mit Arbeitskollegen bei einer Radtour, einige Monate bevor ich diesen Arbeitsplatz zum Naturschutzsyndikat Sicona wechselte.

Es folgt: Die Anfangsjahren eines neuen Gemeindesyndikat

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