1944 im Tageblatt : Auf Wanderfahrt durch das "Tal der Sieben Schlösser"

,Auf Wanderfahrt durch das "Tal der Sieben Schlösser" Tageblatt 1944      Quelle :  www.eluxemburgensia.lu

Von der «Kopleschter Hed» bis zur Neumühle im Mandelbachtal.
Die "Kopleschter Hed", die s. Z. den Inbegriff aller Armut bildete, ist heute vollständig verschwunden. Beeindruckt von diesen Reizen, wenden wir uns Schönfels zu, das in kurzem vor uns auftaucht mit seinem Schloss, dessen Hauptverzierungen aus einem modernen gotischen Hauptsturm und äußerst feinen Ecktürmchen bestehen. Der in den Urkunden 846 erwähnte Name Scindalasheim sowie der im Volksmunde gebräuchliche “Schönfels" erinnern stark an das Wort Dachschindel. Schönfels hat jedoch nie eine Rolle gespielt wie die Burgen des Eisch Tales. Heute ist dort ein Jugendheim untergebracht. Vom sogenannten "Aussichtspunkt von Hohlenfels" gegen- über dem Felsen "Hohley" lassen wir einen Blick über das Tal schweifen, um dann durch die Mamerleyen, eine Fortsetzung von mächtigen Felsmassen, in die vor langer Zeit tiefe Höhlungen, den Steinlagen entsprechend, eingegraben wurden zur Gewinnung von Mühlsteinen, von denen die meisten bis 100 Meter in den Berg sich hinziehenden unterirdischen Gängen verschüttet sind, Mersch zu erreichen. Zwei Möglichkeiten bieten sich hier, um zum Ausgangspunkt Steinfort zurück zu gelangen: entweder über Reckingen, den Helperknapp, Bruch, Saul, den Höhenzug Kreutzerbuch, Hobscheid oder durch das romantische Eischtal, die Perle des Ganzen, über Ansemburg, Simmern und Körich. Außerhalb Reckingen bei Mersch, dort wo die Straße eine große Biegung macht, führt der Weg zum 430 Meter über dem Wasserspiegel gelegenen Helperknapp ,auch Helpert, Hail^erg usw. genannt, der eine interessante, historische Vergangenheit hat und aus dessen Berginnern eine dem hl. Willibordus geweihte Quelle hervordringt, "deren Wasser sich durch chemische Reinheit und praktisch unbegrenzte Haltbarkeit auszeichnet und von den dorthin wallfahrenden Pilgern als heilkräftig an- gesehen wurde." CI Nach einer reizenden Legende soll Karl der `Große, der sowohl an einem inneren wie an einem schweren Augen- leiden kränkelte, eines Tages auf einer Jagdpartie von Durst geplagt an dieser Quelle vorbei gekommen sein. Nachdem er einen kräftigen Schluck getan und sich dreimal mit dem Wasser gewaschen, war er vollständig geheilt. Der Helperknapp, diese mächtige Bergkuppe in Gestalt eines dreieckigen Prismas, hatte zur Römerzeit auch einen strategischen Wert. Nach drei Seiten abgeriegelt, bot sie einen isolierten Überwachungspunkt über das halbe Land und besonders die große Heeresstraße Reims-Trier; und so wurden gute Verbindungswege nach allen Seiten hin angelegt: Wir laufen den Berg hinunter nach Bruch, wo Eisch und Attert sich trennen und kraxeln "durch die "Brücher Löcher" hinauf zu dem in einer Talmulde liegenden Tüntingen. Tüntingen ist ein behäbiges Dorf mit den wohl gepflegten Bauerngehöften, an die österreichische Zeit erinnernd. Von den drei kaum kilometerweit voneinander entfernten Alemannischen Siedlungen: Verlingen, Himmlingen und Tüntingen, hat das letztere allein die Stürme der Zeiten überlebt. Die Pfarrkirche ist ein wahres Museum. Auf dem Kirchhof befindet sich auf dem Grabe des Misanthropen Warnimon4 eine Grabschrift, nach der man bestimmt in Stadt und Land umsonst fahnden wird: Nirgends den gütigen Gott, Nein! Leid nur fand ich auf Erden. Grab, willkommen. In das Nichts Kehr ich mit Wonne zurück. Könnte den Toten man fragen Nunmehr: Willst du wieder leben? Hunderttausendmal nein; Lasst mich in ewiger Ruh! Von Tüntingen an kehren wir wieder zur Hauptstraße zurück, um unsere Wanderung in Richtung Saul zu verfolgen. Die ganze Landschaft ist von eigenartigem Reiz: die dunklen Tannenforste des "Ditzebergs" und des "Bricherkneppchens" mit dem gewaltigen Massiv des Helperknapp im Hintergrund; nach Süden hin halbkreisförmig abgeschlossen durch den bewaldeten Höhenzug, der nahezu ohne Unterbrechung von Mersch nach der belgischen Grenze reicht; gegen Norden offenes Land, mit weitem Fernblick über die blauen Ardennerberge des Oeslings; die trefflich erhaltene altgermanische "Schanz", eine Fliehburg am Ditzeberg; das römische Lager an der Areler Straße, das mit dem Helperknapp und den großen Straßen nach Metz, Trier und Reims verbunden war. Da gibt es stundenlange Waldspaziergänge an weltverlorenen Winkeln vorbei, deren geheime Anmut sich mühelos erschließt. Wer kennt die hochgelegene Wüstung Himmlingen, die "Neumühle" im fels- überhangenen Mandelbachtal, die Wüstung Bechlingen im grünen Wiesental des Brucherbachs? Dies alles gibt nur einen kleinen Ausschnitt der Schönheiten, die sich hier auf geschichtlich Hoch- interessantem Boden auf Schritt u. Tritt darbieten, dem besinnlichen Betrachter ein Geistes- und Herzensgenuß, dem ruhebedürftigen Besucher eine Körpererholung. Von Saul aus führt ein herrlicher Waldweg den Berg hinauf bis zur Kreuzerbuch und von dort über Gaichel, Eischen, Schwarzenhof oder über Hobscheid nach Steinfort. Bewegte Ruhe im stillen Winkel ist der Charakter dieser ganzen Landschaft. Wenn wir den Pfad durch das Eisch- Tal, das Tal der sieben "Schlösser an letzter Stelle behandeln, so weil es das Kleinod in diesem Dreizack bildet und für Viele kein Unbekannter mehr ist.' Diesem reizenden Erdwinkel wurde nicht umsonst das Prädikat "Bezaubertes Tal" beigelegt. Bei jeder Wegebiegung, aus jeder Waldlichtung bietet sich dem über- raschen Auge ein anmutiger und immer wieder verschiedenartiger Anblick. Von weitem winkt uns schon der charakteristische Zwiebelturm der Köricher Barock-Kirche entgegen, an deren Fuß einsam die "Siegfriedsburg" im Schatten der hohen Pappeln traumverloren liegt. Trutzig erheben sich vor. uns auf steilen Felsen die Burgen von Simmem und 'Ansemburg. Mittelalterlich mutet uns Simrnern noch an mit seinen Gassen und Gässchen und seinen im Schutze der Burg liegenden Häuschen. Durch eine wahre Märchenlandschaft führt uns der Weg nach Ansemburg und Mariental, wo uns eine muntere Jugend empfängt. Ein bemooster Waldweg, der in einem steilen Bergpfad endet, führt uns zum bemerkenswerten Aussichtspunkt der Reiterley, einer mächtigen, vom Berge getrennten Felsplatte, die durch eine eigens angelegte Brücke zugänglich ist. Wie auf einem hohlen' Zuckerhut erscheint uns die Bürg Hohlenfels, die im XVII. Jahrhundert von den Franzosen beschossen wurde und davon noch deutliche Spuren aufweist. Hunnebur, Wichtelchesley ein Hasensprung und vor uns liegt Mersch, das bestimmt die eindringlichste Silhouette der Gegend besitzt. Der alte Michelsturm mit seiner blauen Schieferhaube die Pfarrkirche mit den beiden Kuppeltürmchen 'und die wuchtige Masse des in eine Jugendburg umgewandelten Schlosses bilden deren Hauptbestandteile. Eisch und Else, wie schon erwähnt, verbinden sich hier. Zwei Täler stoßen zusammen, die ein weites Wiesental bilden, dessen Weite nur hier und dort von einer Reihe hochgeschossener Pappeln unterbrochen wird. Sanft steigen ringsum die Berghänge an und oben auf den Koppen wogt scheinbar endloser Wald. Es ist ein Bild der Harmonie und des Friedens. Kein wilder, kein heroischer, kein ungebändigter Zug stört dieses Bild vollendetere Ruhe und Ausgeglichenheit. Ruhe und Frieden herrschen hier in diesem Tale, wo, seit das Geprustet der Hoch Öfen und das Gepolter der Schmiedehämmer aufgehört, die Natur sozusagen unberührt geblieben ist..
 

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