Die drei Clairefontainer Klöster

Quelle :  nos cahiers   Kanton Capellen 3/4 2003
Autor:     P. LUCIEN KüHNEN

Die drei Clairefontainer Klöster.
Kurzer Blick in eine jahrhundertealte Geschichte.

Der Name Clairefontaine, aus dem 13. Jahrhundert, braucht nicht etymolo­ gisch gedeutet zu werden. Er ist klar. Die Zisterzienser verstanden es, ihren Niederlassungen schöne Namen zu geben: Val d'or, Orval; Clarus Fons, Claire­ fontaine. Nun aber, sagt man mir, ist das lateinische Wort "clarus" nicht mit "klar" zu übertragen, sondern mit "berühmt". Vielleicht ist die Berühmtheit der Quelle mit dem Verweilen des heiligen Bernard im Tale zu verbinden.

Das kleine Tal ist mit geschichtlichen Erinnerungen übersät ... und mit Quellen. Sie fließen aus dem Sekundarsandstein. Von diesem gefiltert und mit Mineralien versehen, liefern sie das gesündeste Trinkwasser, das es gibt. Es wird unter dem Sandstein, von einer Lehmschicht hervorgetrieben.

Noch ältere Bauten als die der Grafen von Luxemburg, krönen den Karlsberg am unteren Ausgang des Dierbach-Tales. Gegen Ende des römischen Imperiums schützten die keltischen Ureinwohner und die Gallo-Römer sich gegen uns ... das heißt, gegen unsere fränkischen Vorfahren, die aber nicht von der Trierer Seite gekommen sein sollen, sondern aus westlicher Richtung. Die keltischen Ureinwohner und die Gallo-Römer schützten sich gegen die eindringenden frän­ kischen Barbaren, die Lieferanten unserer Sprache, indem sie auf dem Karlsberg und auf dessen sehr geeigneter Nase eine Fluchtburg errichteten, die heute, von Wäldern geschützt, noch sehr deutliche Überreste aufweist.

Der Altertumsforscher Mertens, von der Universität Löwen, hat die Fluchtburg untersucht und sie in seiner Monographie als "tres respectable comme une cathedrale" eingeordnet. Er fand heraus, dass es zwei Bewohnungszeiten gab, erst einmal bei den Völkerwanderungen der Barbaren und, zweitens, während der Wikinger -Überfälle.

Später, als Ermesinde, oder ihr Sohn, die Abtei der Zisterzienserinnen gründete, das erste Kloster im Tal, soll dies geschehen sein an der Stelle, wo vorher die Gra­ fen von Luxemburg ihre Bardenburg errichtet hatten, in der Ermesinde sich von den Regierungsgeschäften erholte. Anheimelnd wirken die Pfade, auf denen auch Ermesinde wandelte bis zu der breiten "Grande Source", aus der gleich ein ganzer Bach hervorkommt.
 

Gairefontaine um 1889. Ein Gemälde von H. Otto. (Foto: Prof. Norberl Thill)

Noch viel ältere, vorzeitliche und rätselhafte Erdlöcher in den Wäldern hat man versucht, Mardellen zu nennen, ohne viel Sicheres darüber berichten zu können. Das jüngste, bemerkenswerte Bauwerk und zugleich das dritte Kloster im Tal ist der Clairefontainer Centre d'accueil der Dehonianer, der Herz-Jesu-Priester.

Ein Industrieller aus dem 19. Jahrhundert. Simonet, hatte dort eine Schmelz ein­ gerichtet mit Dämmen, Schleusen und Teichen, so dass der heutige behinderte Dierbach bei Wolkenbrüchen Überflutungen verursacht. Simonet verarbeitete bei Kahler aufgelesene Erzbohnen zu kleinen Öfen und Gittern. Simonet soll auch dafür gesorgt haben, dass mit seiner Schmelz der "haut lieu" Ermesindes in Belgien blieb, so wie die gesamte Arloner Gegend sich von Steinfort trennen musste, um die Militärstraße Arlon-Longwy in Belgien zu halten.

Aus den Schuppen der Eisenhütte machten Dominikanerinnen dann ein Klös­ terchen, das zweite Kloster im Tal.
Sie blieben nicht lange.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren Streiks ausgebrochen, und die Schwes­ tern wurden nachts von aufgebrachten Industriearbeitern belästigt. Ein solcher soll sogar einmal sein Beil durch das Fenster in einen Klosterraum geschleudert haben.

Clairefontaine heute

Die Dominikanerinnen verzogen sich nach Limpertsberg. Dann kamen die Dehonianer. Sie bauten, ein ganzes Jahrhundert lang, das Klösterehen der Schwestern zu einem etwas labyrinthischen Schulkomplex um.
Dem Gründer der Genossenschaft, Leon Dehon, hatten die antiklerikalen
,.Republicains" seine Schule in Saint-Quentin einfach geklaut. Dehon musste mit seinen Schülern in die Verbannung gehen nach Südholland, Belgien und, eben, nach Clairefontaine. Die Hauptfassade am Innenhof ist von französischen Patres mit Namen Brovile und Weber erbaut worden. Weber wurde allerdings Vebert gesprochen. Es kamen Zöglinge aus ganz Westeuropa von Holland über Belgien und Deutschland bis zum Elsass. Im Jahre 1929 durften die französischen Pat­ res wieder in ihre Heimat zurückkehren, und Clairefontaine wurde zu einer Iuxem­ burgischen Angelegenheit. Zwar zwang man die Schüler immer noch Franzö­ sisch zu ... radebrechen, da ja niemand da war, der den richtigen Akzent besaß. Ein Radio gab es noch nicht in der Schule. Es gab sogar unter den Lehrern noch zwei, die das Wort "feuille" wie "foil f-o-i-1" artikulierten. Nach und nach lockerte sich der Zwang, und die Moselfranken, wir, durften zurück zum Moselfränkischen.
Die Alumnen waren fortan nur mehr Luxemburger. Joseph Philippe, einer der ersten Schüler, wurde Bischof von Luxemburg. Eine Reihe von Studenten wurde Missionsbischöfe, unter ihnen Mgr. Kinsch. Ein ehemaliger Schüler ist Staatsminister, ein anderer Professor am College de France.
 


Die wundertätige Quelle

.Saint-Bemard"

Ruinen des Kreuzgangs ...

 Etliche wurden Pfarrer, Ge­ werkschaftler, Politiker oder waren in anderen gesellschaftlichen Sparten tätig. Am ehesten zählen die vielen Clairefontainer Missionare. Als der Berufeschwund die Schule zwang, auswärtige Lehrer einzustellen, brachte dies einen erheblichen Finanzdruck Andere Gründe des Aufhebens hingen mit den sozialen Umbrü­ chen, zum Beispiel in den Familien, zusammen, auch mit der Vermehrung von staatlichen Schulen. Nach und nach waren auch die Schüler aus zerrütteten Fa­ milien zahlreicher, was nicht dem Zweck der Institution entsprach.

Das Aus wurde unvermeidlich.
Seither steht das große Gebäude offen für Gruppen vieler Art: Vorbereitung auf Firmung, Kommunion und Ehe, Exerzitien, Vortragszyklen, Yoga, wissenschaftli­ che Arbeit von Pilzspezialisten und Ähnliches mehr.
Der Zeitenwandelläuft Wohin?
Man muss sich ihm stellen und das Beste daraus machen.

Als prickelnden Abschluss bleibt zu erzählen, wie es dazu kam, dass Errnesindes "haut-lieu" im Begriff steht, wieder angemessen gestaltet zu werden.
Ein Luxemburger Patriot ertrug es nicht mehr, Ermesinde neben einem Mist­ haufen vergessen zu wissen. Der Patriot entwendete das Skelett der Gräfin. Als dies in seinem Keller zur belastenden Gegenwart wurde, setzte er das Objekt nächtlich den Patres vor die Haustür. Diese alarmierten Bürgermeister und Poli­ zei. Sie brachte das Gebein nach Brüssel. Es wurde untersucht und für echt be­ funden. Vor hundert Jahren hatten bereits grabende Jesuiten daneben ein me­ tallenes Schildchen entdeckt mit einem Hinweis auf die Gräfin. Ende gut, alles gut. Das Großherzogtum, die Provinz Luxemburg und das Land Rheinland-Pfalz finanzierten gemeinsam die Grabungen und die Restaurierung.


Weiterführende Literatur:

Zur Clairefontainer Geschichte allgemein:
N. Kayser: Clairefontaine,
Verlag Heimat und Mission, Clairefontaine, 1963, 160 Seiten.

-Zum Kloster der Herz-Jesu-Priester:
100 Jahre Herz-Jesu-Priester Clairefontaine, Zeitschrift Heimat und Mission, 1989, Nr. 6.
Zum Thema Errnesinde:
Ermesinde, Zeitschrift Heimat und Mission, 1997, Nr. 1/2
 

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